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20.04.2026

3 Fragen an … Antonia Stefer

Antonia Stefer leitet das Institut für Moorspezialisten am Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern. Im Interview spricht sie zur Relevanz der Qualifizierung „Moorspezialist*innen“, die seit einem Jahr läuft, und die ersten Erfahrungen mit dem Curriculum dieses innovativen Programms.

Die Politikwissenschaftlerin und Kunsthistorikerin Antonia Stefer ist seit 20 Jahren in der Politikberatung und Steuerung von Bildungsprozessen tätig. Zunächst erforschte sie bundesweit öffentliche Bildungsprogramme mit einem Schwerpunkt auf die Regionalentwicklung ländlicher Räume. 2017 verlegte sie ihren Fokus auf den Aufbau von Strukturen und Netzwerken zur Bildungsarbeit im Land Mecklenburg-Vorpommern. Ihre Expertise in der Organisation und Konzeption komplexer Bildungsprozesse und Bildungsmaterialien bringt sie nun im Qualifizierungsprogramm „Moorspezialist*innen“ ein – einem ANK-Modellvorhaben und dem ANK-Projekt des Monats April 2026.

Vielerorts fehlt es an qualifizierten Fachkräften für die Moorrevitalisierung. Wo sehen Sie aktuell die größten Engpässe – und wie setzt Ihre Qualifizierung genau dort an?

Die erfolgreiche Umsetzung von Moorrevitalisierungen erfordert eine intensive Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteur*innen, die jeweils auf gut ausgebildetes Fachpersonal angewiesen sind. Gut ausgebildet heißt in diesem Falle, dass sehr gutes Fachwissen auf eine tiefe Kenntnis der Akteurslandschaft und gleichzeitig auf hohe kommunikative Kompetenzen treffen muss. Denn die Wiedervernässung von Mooren ist nicht nur eine ambitionierte Ingenieurleistung, sondern erfordert vielfältige Abstimmungen mit Behörden, Landeigentümer*innen und Landnutzer*innen und gleichzeitig Akzeptanzbildung bei Anwohner*innen und anderen Betroffenen. Für die sachgerechte Bearbeitung und die erfolgreiche Zusammenarbeit aller Seiten benötigen sowohl Vorhabenträger als auch Genehmigungsbehörden sowie die an der Umsetzung beteiligten Planungsbüros Fachkräfte. Wir bilden unsere „Moorspezialist*innen“ für alle drei Zielgruppen aus.

Ihr Programm gibt es nun seit einem Jahr. Wie sind die Erfahrungen mit Ihrem Curriculum – welche Rückmeldungen von Auszubildenden und Ausbildungsstätten erhalten Sie?

Die Ostseestiftung führt eine programmbegleitende Evaluation durch, die in diesem Frühjahr die ersten, sehr positiven Ergebnisse geliefert hat: Unser Curriculum, das die Universität Greifswald mit der Professur „Moorforschung“ gestaltet hat, ist zielgerichtet und vermittelt umfassende und wichtige theoretische Kompetenzen. Besonders erfolgreich ist das Curriculum durch den hohen Anteil an Exkursionen und Laborpraktika, in denen das Erlernte anschaulich vertieft werden kann. Besonderen Wert legen die Auszubildenden und ihre Mentor*innen auf den Erwerb der wichtigen Grundlagen im Bereich der Boden- und Vegetationskunde sowie der Hydrologie und des Wasserbaus.

Die fachpraktische Ausbildung in unseren Einsatzstellen, in denen die Auszubildenden fortlaufend beschäftigt sind, bekommt ebenfalls sehr gute Bewertungen. Die Ausbildung vor Ort an konkreten Moorvorhaben schafft Verständnis für die komplexen Gesamtprozesse einer Moorrevitalisierung. Die Einsatzstellen ihrerseits profitieren vom Einsatz der hochmotivierten Bachelor- und Masterabsolvent*innen in unserer Qualifizierung.

Das Programm wird maßgeblich durch das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) ermöglicht. Welche Impulse hat diese Förderung für Aufbau und Weiterentwicklung der Qualifizierung gegeben?

Das Qualifizierungsprogramm „Moorspezialist*innen“ ist erst durch das ANK ermöglicht worden. Das Programm wird zu 90 Prozent aus ANK-Mitteln und zu 10 Prozent vom Land Mecklenburg-Vorpommern sowie ab 2026 auch zu Anteilen aus weiteren, am Programm beteiligten Bundesländern finanziert. Die ANK-Mittel ermöglichen, mit dem Modellvorhaben „Moorspezialist*innen“ einen ganz neuen Ausbildungsansatz zu gestalten und zu erproben, der langfristig tragen soll und später auf weitere Forschungs- und Aufgabenbereiche mit einem erhöhten Fachkräftemangel übertragbar ist. Die Frage des Wissenstransfers in Unternehmen, Institutionen und Behörden ist nicht nur eine Frage bei Moorrevitalisierungen, sondern wird in den nächsten Jahren in vielen wichtigen Bereichen der öffentlichen Aufgaben relevant. Wir hoffen, zur Lösung dieser Frage, wie Wissenstransfer gelingen kann, mit unserem Qualifizierungsprogramm einen wertvollen, strukturellen Beitrag zu leisten.

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