3 Fragen an … Claudia Bühler
Copyright: Umweltstiftung Michael Otto
Claudia Bühler ist seit 2022 Vorständin der Umweltstiftung Michael Otto. Sie war zuvor 20 Jahre im Management der Otto Group tätig. Sie nutzt ihre breite Erfahrung, um Brücken zwischen Umwelt, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu bauen und sich dem Schutz und Erhalt unserer Lebensgrundlagen zu widmen. Im Interview spricht sie über die „Allianz der Pioniere“, die sich für neue Wertschöpfungsketten für Produkte aus Paludikultur-Biomasse einsetzt.
Die „Allianz der Pioniere“ bringt Naturschutz mit Unternehmen, Landwirtschaft und Wissenschaft zusammen, um neue Wertschöpfungsketten für Paludikultur aufzubauen. Wie ist die Idee entstanden und wie genau funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den Akteur*innen?
Unter dem Dach der toMOORow-Initiative ist zusammen mit der Universität Greifswald die „Allianz der Pioniere“ entstanden. Die toMOORow-Initiative wurde von der Umweltstiftung Michael Otto und der Michael Succow Stiftung ins Leben gerufen wurde. Die Universität Greifswald und Michael Succow Stiftung sind beide Partner im Greifswald Moor Centrum, einem international anerkannten Kompetenzzentrum für Moorforschung, Moorschutz und Moorwiedervernässung.
Die Allianz besteht aus engagierten Wirtschaftsunternehmen, die Klima- und Biodiversitätsschutz unterstützen, indem sie nachwachsende, regionale und zukunftsfähige Rohstoffe einsetzen sowie innovative Produktlösungen entwickeln. Landwirt*innen, die ihre trockengelegten Moorflächen wiedervernässen, soll hierdurch ermöglicht werden, zukünftige Einkommenspotenziale zu erschließen. Die Allianz wird dabei von ihren drei Verbundpartnern mit ihren jeweiligen Expertisen unterstützt.
Die Umweltstiftung Michael Otto ist für den gezielten Auf- und Ausbau der Allianz mit den Wirtschaftspartnern verantwortlich. Sie ist nah an den Bedarfen und Zielstellungen der Nachfrageseite dran und hat die Entwicklung und Skalierung von Wertschöpfungsketten für Produkte im Blick. Die Michael Succow Stiftung konzentriert sich auf den Kontakt zu Landwirt*innen, um die praktische Umsetzung der Paludikultur und damit das Angebot von Biomasse bereitzustellen. Die Universität Greifswald ist für die wissenschaftliche Begleitung verantwortlich, untersucht die Auswirkungen der Wiedervernässung auf Klima und Artenvielfalt und unterstützt bei der Auswahl der Biomasse entlang der Anforderungen für die Produkte auf Basis der Pflanzeneigenschaften.
OTTO gehört u.a. zu den Unternehmen, die den Einsatz von Biomasse aus Paludikultur in ihren Produkten erproben. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen dabei? Und welchen finanziellen sowie personellen Aufwand erfordert dieser Transformationsprozess bislang?
OTTO ist neben anderen Allianzpartnern aktiv daran beteiligt, Produkte mit Paludikultur-Biomasse zu testen und zu skalieren. Nachhaltige Versandkartonagen zu entwickeln und zu etablieren, ist dabei der aktuelle Fokus bei OTTO.
Die größte Herausforderung besteht derzeit darin, den Einsatz von Paludikultur-Biomasse schrittweise in die bestehenden Wertschöpfungsketten zu integrieren und eine belastbare Lieferkette aufzubauen. Dafür muss OTTO gemeinsam mit weiteren Partnern Erfahrungen sammeln und geeignete Skalierungswege entwickeln. Da sich der Einsatz von Paludikultur-Biomasse in Versandkartons noch im Aufbau befindet, werden aktuell Verfügbarkeit, Standardisierung und Wirtschaftlichkeit bearbeitet.
Solche Innovationen zu entwickeln und zu erproben, erfordert selbstverständlich zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen. Über konkrete Aufwände unserer Partner machen wir keine genauen Angaben. Unser Partner OTTO und wir verstehen dieses Engagement als langfristige und lohnenswerte Investition in eine zukunftsfähige Verpackungslösung.
Das ANK wird derzeit weiterentwickelt. Diskutiert werden unter anderem Marktanreizprogramme sowie Maßnahmen zum Aufbau von Wertschöpfungsketten mit Paludi-Biomasse. Worauf sollte aus Ihrer Sicht besonders geachtet werden?
Aus Sicht der PaludiAllianz, einem Verbundvorhaben der „Allianz der Pioniere“, sollte im Wesentlichen darauf geachtet werden, dass …
die finanzielle Attraktivität für Landwirt*innen maximiert wird. Hierfür ist die Palu-Förderrichtlinie ein wichtiges Instrument.
Paludikultur in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU umfassend als landwirtschaftliche Nutzung anerkannt wird. Dies erfordert eine klare Definition sowie Anpassungen der gängigen Standards für Paludikultur.
ein robustes Zertifizierungssystem und Qualitätsstandards für Paludikultur-Biomasse etabliert werden: um Vertrauen bei Abnehmer*innen zu schaffen, die Qualität sicherzustellen und Produkte klar zu differenzieren.
ein kohärentes politisches und rechtliches Rahmenwerk geschaffen wird, das Genehmigungsverfahren vereinfacht und die Förderpolitik langfristig ausrichtet.
die vielfältigen Ökosystemleistungen der Paludikultur monetär oder durch andere Anreize adäquat honoriert werden.
der Aufbau und die Skalierung von Wertschöpfungsketten aktiv durch Initiativen wie unsere PaludiAllianz weiterhin gefördert werden, um Angebot und Nachfrage zu verbinden, Marktzugänge zu erleichtern und Rohstoffsicherheit zu gewährleisten. Die PaludiAllianz wird vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMLEH) über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) gefördert.