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05.02.2026

3 Fragen an … Prof. Dr. Julia Pongratz

Professorin Julia Pongratz von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München erklärt im Interview, warum die Landnutzung für den Klimaschutz eine Schlüsselrolle spielt und welche Ökosysteme das größte Potenzial haben, Kohlenstoff zu binden.

Julia Pongratz leitet an der LMU München den Lehrstuhl für Physische Geographie und Landnutzungssysteme. Sie ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat für Natürlichen Klimaschutz (WBNK) und im Expertenrat für Klimafragen (ERK).

Welche Rolle spielt die Landnutzung für das Klima? 

Die Landnutzung spielt für den Klimaschutz eine Schlüsselrolle, weil sie der einzige Sektor ist, der CO₂ binden kann. Wälder, Moore und Böden wirken als natürliche Kohlenstoffsenken, während andere Sektoren wie Verkehr, Industrie oder Gebäude zwar ihre Emissionen reduzieren, aber nie vollständig vermeiden können. Gleichzeitig ist die Landnutzung aber auch eine bedeutende Emissionsquelle – gut 50 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr emittieren allein entwässerte Moore in Deutschland. Weltweit ist auch die Abholzung weiterhin ein großer Emittent. Gleichzeitig beeinflusst Landnutzung das Klima auch direkt über Änderungen der Wasser- und Energiebilanz – zum Beispiel verdunsten Wälder oder Moore oft viel und kühlen dadurch die Landschaft. Landnutzung ist damit kein Randthema, sondern ein zentrales Element der Klimapolitik.

Ökosysteme zu stärken, damit sie wieder mehr Kohlenstoff aufnehmen können – das ist das Ziel des ANK. Wo sehen Sie dabei das größte Potenzial? Wo liegen die Knackpunkte?

Großes Potenzial sehe ich bei Mooren, Wäldern und in der Agroforstwirtschaft. Die Wiedervernässung von Mooren kann schnell große Emissionsmengen vermeiden und ermöglicht langfristig auch den Wiederaufbau organischer Böden. Wälder sollten zu naturnahen, klimaresilienten Misch- und Laubwäldern umgebaut werden, während alte, kohlenstoffreiche Bestände weniger intensiv genutzt werden. Ob diese naturbasierten Methoden zur CO2-Entnahme umgesetzt werden, hängt oft von ökonomischen Faktoren ab. In der Agroforstwirtschaft werden beispielsweise Baumreihen in Ackerfläche gepflanzt, was die CO2-Speicherung und Biodiversität fördert. Das kostet aber erstmal Geld und passt nicht zu den bisherigen Anbau- und Erntemaschinen. Ein verlässlicher politischer Rahmen ist hier ebenso wichtig wie langfristige Investitionen. Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz kann hier einen wichtigen Beitrag leisten, um die Rolle der Ökosysteme für die Klimaziele zu stärken und gleichzeitig Vorteile für den Naturschutz zu schaffen. 

Deutschland will 2045 treibhausgasneutral sein. Welchen Hinweis geben Sie als Expertin für landbasierte Emissionen, damit dieses Ziel zu schaffen ist? 

Emissionsminderung muss oberste Priorität bleiben, denn jede vermiedene Tonne CO₂ muss später nicht aufwendig kompensiert werden. Eine zentrale Stellschraube in den Sektoren Landnutzung und Landwirtschaft ist unsere Ernährung: Der hohe Fleischanteil verursacht großen Flächenbedarf und Methanemissionen aus der Viehzucht. Im WBNK empfehlen wir zudem, bis 2045 rund 80 Prozent der deutschen Moore wieder zu vernässen. Zusätzlich müssen wir Verfahren zur CO2-Entnahme hochfahren, um Restemissionen auszugleichen. Technische Senken sollten hochskaliert, natürliche Senken gestärkt werden. Mit den Dürrejahren ab 2018 wurden die deutschen Wälder – die zuvor Mooremissionen weitgehend kompensierten – selbst zu einer CO2-Quelle. Der Waldumbau hat also hohe Priorität, funktioniert aber nicht unter rasantem Klimawandel. Sich international für Klimaschutz stark zu machen, ist deshalb Voraussetzung dafür, nachhaltige Senken in Deutschland zu schaffen.

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