Meere und Küsten als Natürliche Klimaschützer: ANK-Fachtagung 2026
Copyright: ZUG/Jenny Kupfer
Am 4. und 5. Mai 2026 trafen sich mehr als 100 Vertreter*innen der ANK-Projekte zu Meeren und Küsten sowie von Bundes- und Länderbehörden in Hamburg, um den Natürlichen Klimaschutz in diesen Lebensräumen voranzutreiben.
Bei der ANK-Fachtagung „Natürlicher Klimaschutz für Meere und Küsten“ in der Hamburger Umweltbehörde (BUKEA) begrüßten die Gastgeberin Katharina Fegebank, Hamburgs Umweltsenatorin, sowie Sebastian Unger, Leiter der Unterabteilung Schutz der Meere im Bundesumweltministerium, und Sarah Kleine, Leiterin der Förderkoordination im Bundesamt für Naturschutz, die Teilnehmenden.
Alle betonten, wie wichtig Meere und Küsten als globale Klimaschützer wirken: Sie nehmen rund 20 bis 30 Prozent des menschengemachten Kohlendioxids aus der Atmosphäre auf. Dies wolle man gezielt stärken. Die Ergebnisse der 26 Projekte zu Meeren und Küsten im Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) würden benötigt, um politisch die Weichen für naturbasierte Lösungen in diesen Ökosystemen stellen zu können. Sie verknüpfen wissenschaftliche Untersuchungen mit ersten Maßnahmen auf verschiedenen Habitaten an Nord- und Ostsee: Salzwiesen und Salzmarschen, Seegraswiesen, Algenwälder, biogene Riffe und Islandmuscheln sowie freie Wassersäule und vegetationsfreie Sedimente.
Die Wissenschaftler*innen in den Projekten arbeiten daran, den Beitrag der marinen Lebensräume zum Klimaschutz standardisiert messbar zu machen. Das Ziel: Wenn der Klimaschutzbeitrag von Meeren und Küsten quantifizierbar ist, können daraus konkrete Maßnahmen des Natürlichen Klimaschutzes abgeleitet und umgesetzt werden.
Wieviel Kohlenstoff können marine Habitate binden?
Nachdem die Wissenschaftler*innen bereits eine gemeinsame Methode entwickelt haben, wie der eingelagerte Kohlenstoff in den verschiedenen Habitaten gemessen werden kann, geht es nun einen großen Schritt weiter: Jetzt geht es um die Kohlenstoffspeicherraten, das heißt: Wieviel Kohlenstoff wird in den marinen Lebensräumen jedes Jahr gespeichert und wovon ist das abhängig? Wie ist der anthropogene Einfluss auf diese Speicherrate, zum Beispiel durch Fischerei, Landwirtschaft, Küstenschutz oder Tourismus? Dazu braucht es erneut gemeinsame Messmethoden, die habitatübergreifend vergleichbare Ergebnisse bringen.
Herausforderungen für Wissenschaft und Politik
Um für die Meere und Küsten Maßnahmen des Natürlichen Klimaschutzes abzuleiten, müssen noch einige Herausforderungen gelöst werden. Drei Beispiele:
- Was wird wo gemessen? Laterale Kohlenstoff-Flüsse – also der horizontale Transport von Kohlenstoff zwischen verschiedenen Ökosystemen – sind (bislang) nicht berücksichtigt, im Meer aufgrund der Strömungen aber relevant. So bindet zum Beispiel Seegras CO2 aus der Atmosphäre, gibt einen Teil aber beim Absterben in das Wasser oder ins Sediment wieder ab.
- Wo fängt man an? Wo hört man auf? Noch ist unklar, auf welchen räumlichen Bereich im Meer sich die nationalen Klimaberichterstattung beziehen sollte.
- Und tue Gutes und rede drüber – es soll mehr über die Klimafunktionen der Meere berichtet werden, denn hier liegt großes Potenzial für die Zukunft.
Gemeinsam Lösungen entwickeln
Trotz der Herausforderungen waren sich die Aktiven der 26 ANK-Projekte an Nord- und Ostsee sowie die Vertreter*innen von Bund und Ländern aber einig: Zu diesen fachlichen Hürden sollen Antworten gefunden werden, um für die verschiedenen marinen Habitate passende Datengrundlagen zu schaffen – zugunsten von Meeren, Küsten und Klimaschutz.