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02.11.2026 Interview

3 Fragen an … Dr. Felix Seidel

Dr. Felix Seidel vom Thünen-Institut für Agrarklimaschutz erklärt im Interview, welche Form der Bewirtschaftung landwirtschaftlich genutzte Mineralböden stärkt und damit den Klimaschutz unterstützt.

Felix Seidel stellt uns im Interview Ergebnisse einer großen europäischen Studie vor. Es geht dabei um das Potenzial, die Kohlenstoffbindung in landwirtschaftlich genutzten Mineralböden durch eine verbesserte Bewirtschaftung zu erhöhen. Felix Seidel ist seit 2020 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Thünen-Institut und Erstautor der Studie im „European Journal of Soil Science“. Er forscht zu Nährstoffkreisläufen im Boden, Boden-Pflanzen-Interaktionen und der Speicherung von Kohlenstoff in landwirtschaftlich genutzten Böden in verschiedensten Projekten deutschlandweit, aber auch rund um den Globus. Seine Forschung leistet einen Beitrag zur Bewertung und Entwicklung landwirtschaftlicher Bewirtschaftungsverfahren, die den Aufbau von Bodenkohlenstoff fördern und zum Klimaschutz beitragen. 

Sie waren an einer großen Studie zu europäischen landwirtschaftlich genutzten Mineralböden beteiligt. Untersucht wurde deren Potenzial zur Kohlenstoffbindung durch eine verbesserte Bewirtschaftung. Was sind die zentralen Ergebnisse?

Ziel des Projekts war es, das potenzielle Ausmaß des Beitrags der Landwirtschaft zum Klimaneutralitätsziel der EU abzuschätzen. Gemeinsam mit Partnern aus 26 europäischen Ländern haben wir rund 1.500 wissenschaftliche Publikationen ausgewertet, um Bewirtschaftungsmaßnahmen zu identifizieren, die nachweislich zum Aufbau von Bodenkohlenstoff beitragen. Auf dieser Grundlage haben wir zehn für Europa geeignete Maßnahmen ausgewählt, ihr potenzielles Kohlenstoffspeichervermögen quantifiziert und ermittelt, auf welchen europäischen landwirtschaftlich genutzten Flächen sie zusätzlich umgesetzt werden könnten. Das Ausbringen von Pflanzenkohle weist das größte Potenzial auf, gefolgt von Agroforstwirtschaft. Die kombinierte Umsetzung aller miteinander vereinbaren Maßnahmen könnte jährlich etwa 20 bis 30 Prozent der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen Europas ausgleichen. Die tatsächliche Umsetzung wird jedoch durch politische, wirtschaftliche und praktische Hürden begrenzt.

Welche Rolle spielen regionale Unterschiede in Böden, Klima und Bewirtschaftungssystemen? Können Sie etwas zu den Böden in Deutschland im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern sagen?

In Zentral- und Osteuropa lässt sich eine größere Anzahl der untersuchten Maßnahmen umsetzen. Dies ist sowohl auf die vergleichsweise gemäßigteren klimatischen Bedingungen als auch auf die Verteilung fruchtbarer Böden zurückzuführen. Klima und Bodenbeschaffenheit prägen die landwirtschaftliche Landnutzung und bestimmen damit, welche Maßnahmen geeignet sind. Daher gibt es in Zentral- und Osteuropa viel ackerbauliche Landnutzung, auf denen mehr Maßnahmen anwendbar sind als im Grünland. Unter anderem nimmt Deutschland hierbei eine besondere Stellung ein: Eiszeitliche Prozesse prägten die Landschaft und trugen dazu bei, dass fruchtbare Böden entstanden. Besonders die Börden am südlichen Rand der Norddeutschen Tiefebene zählen zu den fruchtbarsten Ackerbauregionen des Landes. Zusätzlich beeinflussen historische und länderspezifische Besonderheiten das Umsetzungspotenzial. So prägen in Belgien zahlreiche Hecken die Agrarlandschaft, während in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg viele Heckenstrukturen im Zuge der landwirtschaftlichen Intensivierung beseitigt wurden.

Welche der untersuchten Maßnahmen zur Kohlenstoffbindung haben das größte Potenzial, umgesetzt zu werden? Welche politischen, wirtschaftlichen und praktischen Hürden bestehen dabei und welche Voraussetzungen sind hierzu notwendig?

Zwischenfrüchte anzubauen, ist bereits weit verbreitet – auch wenn ihr Potenzial, Kohlenstoff zu binden, vergleichsweise gering ist. Gleichzeitig gewinnt der Anbau von Leguminosen, wie zum Beispiel Soja, an wirtschaftlicher Attraktivität durch steigende Nachfrage und das politische Ziel, die europäische Erzeugung pflanzlicher Proteine zu stärken. Dies ist eine positive Entwicklung. Allerdings stehen die mit Abstand wirksamsten Maßnahmen, um die Kohlenstoffspeicherung zu erhöhen, noch am Anfang. Dazu zählen das Ausbringen von Pflanzenkohle und das Integrieren von Gehölzen in die Agrarlandschaft, etwa durch Hecken oder Agroforstsysteme. Um ihr Potenzial auszuschöpfen, braucht es politischen Gestaltungswillen sowie wirtschaftliche Anreize wie Subventionen. Gehölze in die Agrarlandschaft bieten darüber hinaus weitere Vorteile: Sie fördern beispielsweise die Biodiversität, verbessern das Tierwohl durch zusätzliche Schattenflächen, verringern die Winderosion und stellen Biomasse durch den Rückschnitt von Hecken bereit.

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