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23.10.2026

Abschlussveranstaltung der ANK-Themenwoche 2026

Menschen zusammenbringen und für den Natürlichen Klimaschutz begeistern

Unter dem Motto „Natur stärken, Klima schützen“ hatte das Bundesumweltministerium (BMUKN) am 14.10.2026 zur Abschlussveranstaltung der ANK-Themenwoche mit Staatssekretär Jochen Flasbarth nach Berlin eingeladen. Mehr als 160 Gäste aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung und Praxis kamen im BMUKN zusammen, etwa 200 Teilnehmende waren via Livestream zugeschaltet. Ein Gewinn für die Veranstaltung: Viele Vertreter*innen aus ANK-Projekten und den ANK-Regionalbüros waren angereist und brachten ihre Erfahrungen bei der Umsetzung des ANK aktiv ein. 

Oliver Conz, Leiter der Abteilung Naturschutz, Klimaanpassung, Natürlicher Klimaschutz und nachhaltige Naturnutzung im BMUKN, betonte in seiner Begrüßung die zentrale Rolle der Natur im Klimaschutz: „Die Natur ist unsere Verbündete.“ Mit vier Milliarden Euro sei das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) ambitioniert aufgestellt. Conz hob die Bedeutung des politischen Rückhalts für den Natürlichen Klimaschutz hervor – dass wir auf Parlamentarier angewiesen seien, die für dieses Thema in Zeiten vieler gesellschaftlicher Herausforderungen kämpften.

Prof. Dr. Julia Pongratz von der Ludwig-Maximilians-Universität München, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat für Natürlichen Klimaschutz (WBNK) und im Expertenrat für Klimafragen (ERK), ordnete in ihrer Keynote das ANK ein. Zentrale Frage hierbei: Wie bekommen wir in Deutschland unsere Emissionen auf Netto-Null? Dabei spiele der Natürliche Klimaschutz eine essenzielle Rolle. Das stelle uns vor Herausforderungen, aber es gäbe keine Alternative und es wäre absolut lohnend. Sie hob die Doppelrolle des Sektors „Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft“ (kurz LULUCF) hervor – dass er, obwohl er auch Treibhausgasquelle sei, als einziger Sektor auch als Kohlenstoffsenke wirke. Diese Kohlenstoffsenkenleistung gelte es zu maximieren und die Emissionen des Sektors wo möglich zu reduzieren. Mit dem ANK-Förderprogramm Palu würde zum Beispiel die notwendige Moorwiedervernässung und deren klimaschonende Nutzung (Paludikultur) im großen Stil angegangen.

„Wir müssen um jedes Zehntelgrad kämpfen“ 

Ein Mann mit Brille und grauem Haar steht an einem Rednerpult und spricht vor einem Publikum, im Hintergrund sind Banner mit Texten zum Klimaschutz zu sehen.
Statement von Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium

Die 1,5-Grad-Celsius-Grenze wurde laut dem EU-Klimawandeldienst Copernicus Climate Change Service im Jahr 2024 erstmals im Durchschnitt eines einzelnen Kalenderjahres überschritten. Jochen Flasbarth betonte in seinem Statement, dass dieser Overshoot so kurz wie möglich zu halten sei. Das werde ohne Natürlichen Klimaschutz nicht gelingen. Das sei kein „Nice-to-have“, sondern der Klimawandel beträfe uns alle. „Wir müssen um jedes Zehntelgrad kämpfen“, so Jochen Flasbarth. Der Natürliche Klimaschutz sei eine große gesellschaftliche Aufgabe, die viel Weitblick erfordere und nur mit allen relevanten Akteur*innen, mit Land- und Forstwirtschaft, gelinge. Und er betonte, wie wichtig es sei, wie bei der heutigen Veranstaltung die Menschen, die „ANK-Familie“, für den Austausch und ein gemeinsames Handeln zusammenzubringen. So können alle voneinander lernen – damit die ANK-Fördermittel gut umgesetzt und die Klimaziele erreicht werden.

Das Spannende im ANK sind die vielfältigen Projekte – das zeigte sich auch im Rückblick auf die ANK-Themenwoche, die vom 07.-14.10.2026 stattfand. Über 50 Projekte hatten sich bundesweit beteiligt. Bei Mitmachaktionen, Seminaren oder Exkursionen stellten sie Interessierten ihre Arbeit vor. Dazu sprachen auf der Bühne Sarah Kleine, Leiterin der Stabsstelle Förderkoordination im Bundesamt für Naturschutz (BfN), Dr. Celia Hahn, Leiterin des Kompetenzzentrums Natürlicher Klimaschutz (KNK), und Alexandra Kiefer, Referentin im DLR-PT und Organisationsteam der ANK-Themenwoche.

Bei den fünf ANK-Projekten, die anschließend jeweils in einem kurzen Pitch auf der Bühne vorgestellt wurden, ging es um die Reaktivierung des natürlichen Wasserrückhaltevermögens im Arnsberger Wald, Seegraswiesen als Kohlenstoffspeicher bei ZOBLUC, Hochmoor-Renaturierung bei OptiMuM, Bildungsmaterialien der KI-Box Klima und Fernerkundung für Natürlichen Klimaschutz bei EO4Nature. Wie die Moderatorin Dr. Tanja Busse zusammenfasste: Kommunikation ist ein Schlüsselelement für erfolgreiche Projekte – ein Gewinn sind Citizen Science und der Kontakt zu Jugendlichen, um das Thema früh zu vermitteln. Es ist wichtig, die am Natürlichen Klimaschutz zweifelnden Gruppen in ihrer jeweiligen Sprache anzusprechen und einzelne Schlüsselakteur*innen mit ins Boot zu holen. 

Ergänzend präsentierten sich zahlreiche ANK-Projekte bei einer Posterausstellung. Die Gäste hatten die Möglichkeit, in den Pausen mit den anwesenden Projektpersonen in den Austausch zu gehen.

In der abschließenden Podiumsdiskussion ging es um große Fragen – um die Chancen, die der Natürliche Klimaschutz für die Zukunft unserer Gesellschaft bietet, sowie die Weiterentwicklung des ANK. Zu Beginn standen die Themen Boden und Wald im Fokus, das Gespräch weitete sich dann auf die Verbindung des ANK zu Künstlicher Intelligenz (KI) sowie die Chance, die Transformation mit KI zu unterstützen. Auf dem Podium waren neben Jochen Flasbarth die Ökosystemforscherin Prof. Dr. Aletta Bonn, der Waldökologe Prof. Dr. Pierre Ibisch, die Boden-Expertin Sonja Medwedski sowie der Geschäftsführer der LUP – Luftbild Umwelt Planung GmbH Gregor Weyer (ANK-Projekt „EO4Nature“) vertreten. 

Sonja Medwedski betonte, dass Natürlicher Klimaschutz im Boden anfange, seine Bedeutung jedoch noch mehr in der Öffentlichkeit bekannt werden müsse. In den ANK-Projekten sehe sie für den Boden und seine umfangreichen Funktionen bereits viel Bewusstsein. Auf die Frage der Moderatorin Tanja Busse, wie die Wälder zu stabilisieren seien, erklärte Pierre Ibisch, dass der Wasserhaushalt eine zentrale Rolle spiele. Wälder sollten nicht als reine Baumbestände gesehen werden, sondern als komplexe Ökosysteme, die im Boden fußen. Um zu wissen, wo ein Ökosystem zum Beispiel bei der Wasserverfügbarkeit gezielt unterstützt werden könnte, seien belastbare Daten erforderlich, so Tanja Busse – KI und Datenerhebung würden hierbei helfen. Aletta Bonn bestätigte dies und fügte hinzu, dass KI es auch möglich machen könnte, Menschen fundiert und datenbasiert einzubeziehen und die Ergebnisse zu visualisieren. Auf Grundlage von Daten und Visualisierung wäre es möglich sich vorzustellen, wie Natürlicher Klimaschutz die Landschaft verändere und wie unterschiedliche Versionen der Zukunft aussehen könnten. Gregor Weyer forcierte im Anschluss den Aspekt, Natürlichen Klimaschutz in Planungsinstrumenten zu verstetigen. Jochen Flasbarth fügte an, dass der Natürliche Klimaschutz eine große Transformation sei. Er sehe es als Chance, hierfür auch KI zu nutzen. Pierre Ibisch und Aletta Bonn bekräftigten zum Abschluss der Diskussion, dass KI und Daten Transparenz schaffen und einen Dialog ermöglichen könnten – mit dem Fokus darauf: Welche Zukünfte sind möglich?

In die Umsetzung kommen

Sowohl auf der Bühne als auch im Publikum war man sich einig: Das ANK kann Gemeinschaft stiften und Menschen für den Natur- und Klimaschutz zusammenbringen. Mit seinem Schlusswort ermutigte Jochen Flasbarth alle Zuhörer*innen: Beim Natürlichen Klimaschutz gehe es vor allem darum, Perspektiven der Menschen zu berücksichtigen, diese durch pragmatische Lösungen und Spaß am Thema mitzunehmen. So sei es essenziell, eine nachhaltige Nutzung der Ökosysteme mitzudenken. Finanzielle Mittel und Förderprogramme seien da und das Gesetz zur Stärkung der Natürlichen Infrastruktur sei in Vorbereitung. Nun gelte es, die Maßnahmen zum Natürlichen Klimaschutz umzusetzen. Das gehe umso besser, je mehr man sich vernetze und dabei beachte „Behaltet eure gute Laune – dann wird es auch gut!“

Beim abschließenden Get-together wurde dem Appell des Staatssekretärs Folge geleistet: Die Tische der Regionalbüros und die Posterausstellung boten Raum und Anlass für Austausch und Vernetzung. 

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