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16.03.2026

3 Fragen an … Dr. Meike Kleinwächter

Die Biologin Dr. Meike Kleinwächter ist seit über zehn Jahren Leiterin des BUND-Auenzentrum auf Burg Lenzen an der Elbe. Im Interview spricht sie über Auen und Auenwälder – über ihre Bedeutung als natürliche Überflutungsflächen und ihr Potenzial zur Speicherung von Kohlenstoff sowie über wirksame Maßnahmen zu ihrer Wiederherstellung.

Dr. Meike Kleinwächter ist seit über zehn Jahren Leiterin des BUND-Auenzentrum auf Burg Lenzen an der Elbe. Das Auenzentrum setzt sich mit Renaturierungsprojekten, Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Umweltbildung für den Erhalt und die Entwicklung von lebendigen Flüssen und Auen ein. Die Diplom-Biologin war zuvor Dezernentin in der Verwaltung des Biosphärenreservats Niedersächsische Elbtalaue sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Referat Tierökologie der Bundesanstalt für Gewässerkunde, Koblenz. Sie studierte und promovierte an der Technischen Universität Braunschweig und ist seit ihrer Diplomarbeit im Bereich Gewässer- und Auenökologie tätig.

Auen und Auwälder sind als natürliche Überflutungsflächen entlang von Flüssen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Was macht sie wertvoll für den Klimaschutz?

Intakte Auen, die regelmäßig überflutet werden, speichern große Mengen Kohlenstoff in ihrer Biomasse und im Boden. Dies gilt insbesondere für alte Hartholz-Auenwälder mit ihren typischen Baumarten wie Stieleiche und Flatterulmen, deren Kohlenstoffvorräte deutlich über denen anderer Waldtypen liegt. 

Leider haben wir entlang unserer Flüsse kaum noch Auenwälder, sie sind landwirtschaftlicher Nutzung oder Siedlungsflächen gewichen. Die verbliebenen Auenwälder sollten daher unbedingt geschützt werden. Und es lohnt sich in vielfacher Hinsicht, neue wiederherzustellen. Auenwälder nehmen bei Hochwasser viel Wasser auf und geben es bei Trockenzeiten wieder an die Landschaft ab. Zudem wirken sie durch Verdunstung und Beschattung einer Überhitzung der Umgebung entgegen. So puffern Auenwälder die bereits spürbaren Effekte des Klimawandels wie extreme Niederschläge oder Dürren ab.

Für die Wiederherstellung von intakten Auen braucht es Zeit und Flächen. Wie sind die Reaktionen der Menschen vor Ort?

Wenn wir mit einer Projektidee in eine Region kommen, reicht die Reaktion der Anwohnenden von aufgeschlossen bis hin zu sehr kritisch. Gerade in ländlichen Gebieten sind die Menschen oft emotional sehr verbunden mit ihrer Landschaft und stehen Veränderungen teilweise erstmal ablehnend gegenüber oder sehen keine Notwendigkeit dafür. 

Es ist daher sehr wichtig, einerseits mit hoher Transparenz und Stetigkeit über Projektinhalte und -ziele zu informieren und andererseits die Befürchtungen der Menschen zu hören und in die Planungen mit aufzunehmen. Im regelmäßigen Austausch direkt vor Ort entsteht Vertrauen und das wertvolle Landschaftswissen bereichert das Projekt. Für uns trägt ein gutes Kommunikationsklima maßgelblich zum Gelingen eines Projektes bei. Wir haben dafür die „Auenwerkstatt“ gegründet und planen gemeinsam mit den Menschen vor Ort neue Biotope und Naturerlebnisformate. Ressourcen dafür sollten von Anfang in der Projektplanung berücksichtigt sein. 

Im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz ist eine neue Förderung für Auen auf dem Weg/kürzlich veröffentlicht. Welche Maßnahmen sollten bei der Wiederherstellung von Auen jetzt im Fokus stehen? 

Auen brauchen Raum für eine eigendynamische Entwicklung. An vielen Flüssen und Bächen existiert jedoch kaum ein ausreichender Gewässerrandstreifen. Es gilt daher Flächen bereitzustellen, um strukturreiche Auenlebensräume zu entwickeln und Landnutzung zu extensivieren. Dabei können Flurneuordnungsverfahren helfen. Wo es möglich ist, sollten Deichrückverlegungen angestrebt werden, die gleichzeitig viele Synergien, zum Beispiel mit der Hochwasservorsorge, bereitstellen. 

Auen brauchen zudem Wasser, das heißt Fluss und Auen müssen gut miteinander vernetzt werden. Wirksame Maßnahmen sind beispielsweise die Wiederherstellung von Nebenrinnen und Altarmen, Abflachung von Ufern und Rückbau von Befestigungen. Neben einem natürlichen Überflutungsregime ist die Wiedererstellung eines naturnahen Wasserhaushalts maßgeblich, zum Beispiel durch Rückbau von Drainagen und Entwässerungsgräben. Davon profitiert auch unser Grundwasser.

 

 

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