3 Fragen an … Prof. Dr. Diana Pretzell
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Professorin Diana Pretzell ist seit 2023 Erste Bürgermeisterin der Stadt Mannheim. Im Interview berichtet sie über das Engagement einer klimaambitionierten Kommune, deren Ziel es ist, bis zum Jahr 2030 klimaneutral zu sein.
Vor ihrer jetzigen Tätigkeit war Diana Pretzell bereits seit 2021 Bürgermeisterin für Bürgerservice, Klima, Umwelt und Technische Betriebe. In ihrer Verantwortung liegt der städtische Umwelt- und Klimaschutz und die Umsetzung des Europäischen Grünen Deals auf lokaler Ebene. Vor ihrer Tätigkeit in Mannheim hat sie für den World Wide Fund for Nature (WWF) Deutschland gearbeitet, zuletzt als Direktorin für Biodiversitätspolitik und zuvor als Leiterin Naturschutz Deutschland. Von 2003 bis 2012 war sie bei der Geschäftsstelle der Naturgarten Kaiserstuhl GmbH tätig, seit 2004 als Geschäftsstellenleitung.
Mannheim wurde 2024 als erste deutsche Stadt mit dem EU-Mission-Label für klimaneutrale und intelligente Städte ausgezeichnet. Welche Impulse und welchen konkreten Mehrwert hat die Teilnahme an der EU-Mission für die Klimaschutzarbeit der Stadt gebracht?
Zunächst sind wir sehr stolz, dass wir als erste deutsche Stadt mit dem EU-Mission-Label ausgezeichnet wurden. Es bestätigt unseren eingeschlagenen Weg und die Entwicklung unseres Klima-Stadt-Vertrags (Klimaschutzaktionsplan 2030). Das Label motiviert uns, das Ziel der Klimaneutralität mit Nachdruck zu verfolgen.
Erst durch die EU-Mission ist das Ziel 2030 in Mannheim möglich geworden. Die Erarbeitung unseres Klimaschutzaktionsplans 2030 hat einen tiefgreifenden Transformationsprozess angestoßen, der weit über die Verwaltung hinausreicht. Um auch externe private Akteur*innen aktiv einzubinden, haben wir ein eigenes Local Green Deal-Team aufgebaut.
Ein großer Mehrwert liegt auch in der Vernetzung mit anderen Missionsstädten, dem Bund und der EU-Kommission. Dies verleiht unseren politischen Anliegen mehr Gewicht. Trotz erster Fördermittel braucht es für diese Herkulesaufgabe künftig aber deutlich mehr finanzielle und regulatorische Unterstützung von nationaler und EU-Ebene.
Mannheim hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden. Mit „Mannheim entsiegeln“ etwa verfolgt die Stadt einen konkreten Ansatz, um versiegelte Flächen zurückzugewinnen. Welche Erfahrungen haben Sie damit bisher gemacht, und wie wichtig sind dabei die Förderprogramme des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK)?
Mit der Stadtklimaanalyse liegt eine wichtige Planungsgrundlage vor, um Hitzeinseln gezielt durch Begrünung, Entsiegelung und Frischluftschneisen entgegenzuwirken. Darauf aufbauend wurde ein Entsiegelungskonzept mit geoinformationsgestützten Potenzialkataster entwickelt, das Flächen identifiziert und klimaökologische Empfehlungen aufzeigt.
Allein 2025 gingen insgesamt 502 Vorschläge für Voll- bzw. Teilentsiegelungen oder Baumpflanzungen ein. Rund 75 Prozent betreffen städtische Grundstücke und kommen damit grundsätzlich für eine Umsetzung durch die Stadt infrage. Rund 63 Prozent befinden sich innerhalb der Mannheimer Hitzeinsel – genau dort, wo Entsiegelung und Begrünung besonders wirksam für die Verbesserung des Stadtklimas wäre. Darüber hinaus arbeiten wir mit unserem 1000-Bäume-Programm sowie der Entsiegelung von Stadtplätzen und Schulhöfen ebenfalls gezielt an der Begrünung unserer Stadt.
Das ANK-Förderprogramm „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ wird in Mannheim bei geplanten Projekten in Betracht gezogen, da Mannheim als finanzschwache Kommune gilt und somit ein Zuschuss von 80 Prozent der förderfähigen Kosten beantragen kann. Dennoch stellt der verbleibende Eigenanteil von 20 Prozent angesichts der angespannten kommunalen Haushaltslage eine sehr große finanzielle Herausforderung dar.
Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit Klimaschutz in einer Stadt auch von möglichst vielen Menschen und Akteur*innen mitgetragen und umgesetzt wird? Was würden Sie anderen Kommunen empfehlen?
Für kommunalen Klimaschutz aber auch, und das haben wir diesen Sommer wieder besonders erlebt, Klimafolgenanpassung, braucht es eine gesellschaftliche Akzeptanz. Ansonsten wird es schwer, Maßnahmen durchsetzen und voranbringen zu können. Ich glaube, dass diese Akzeptanz inzwischen bei vielen Menschen angekommen ist, aber es geht hier auch um finanzielle Fragen. Wir befinden uns mittlerweile deutschlandweit fast überall in harten Verteilungskämpfen um die verfügbaren finanziellen Mittel.
Bisher ist Klimaschutz eine freiwillige Aufgabe der Kommunen. Daher würde es uns sehr helfen, wenn Klimaschutz und Klimafolgenanpassung als Gemeinschaftsaufgabe zwischen Bund, Ländern und Kommunen festgelegt werden würde. Damit hätten die Städte und Gemeinden ganz andere Handlungsspielräume bei Personal und Finanzen.