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29.07.2026

3 Fragen an … Stephan Garkisch

Stephan Garkisch ist seit Mai 2025 Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes „Finowfließ“ in Brandenburg. Zuvor arbeitete er als Planungsingenieur und Selbständiger mit eigenem Ingenieurbüro für Erschließung, Regenentwässerung, Straßenbau und Bahnbau. Im Interview stellt er die Aufgaben und Herausforderungen eines Wasser- und Bodenverbandes vor. Dabei macht er deutlich: Gewässerunterhaltung als zentraler gesetzlicher Auftrag der WBV ist ein Spagat zwischen unterschiedlichen Interessen, zwischen denen ein Ausgleich gefunden werden muss – auch und gerade beim Natürlichen Klimaschutz.

Welchen Beitrag leisten aus Ihrer Sicht die Wasser- und Bodenverbände für den Natürlichen Klimaschutz und was benötigen sie, um ihr Potenzial hierfür auszuschöpfen?

Die Wasser- und Bodenverbände (WBV) sind gesetzlich und gemäß ihrer Satzung verantwortlich, die Gewässerunterhaltung durchzuführen. Das sind hauptsächlich Arbeiten wie die Mahd der Gräben, die Grundräumung der Grabensohlen, die Reinigung von Durchlässen und verrohrten Abschnitten und der Betrieb sowie die Instandhaltung von Stauanlagen. Der sichere Abfluss des anfallenden Oberflächenwassers, den es zu gewährleisten gilt, steht dabei in einem gewissen Gegensatz zu einem möglichst umfänglichen und zielgerichteten Rückhalt dieses Oberflächenwassers. Das muss immer wieder abgewogen werden. 

Wir sind als WBV die Ausführenden, die alle Belange möglichst kostengünstig, zeitnah und nach transparenter Rücksprache mit allen Akteur*innen umsetzen und bei auftretenden Schwierigkeiten umgehend Änderungen herbeiführen sollen. Daher leisten wir nach meiner Einschätzung zur konkreten Ausgestaltung von Maßnahmen des Natürlichen Klimaschutzes einen entscheidenden Beitrag vor Ort, wenn sich Flächeneigentümer*innen, Flächennutzer*innen, Wasserbehörde, Fördermittelgeber, Landesverwaltung, Planungsbüro und Forschungseinrichtungen auf eine Maßnahme verständigt haben und es an die Umsetzung geht. Besonders der Betrieb der Anlagen, die Dokumentation der Wasserstände und die fachliche Rückkopplung mit den oben Genannten sind für den Erfolg der Maßnahmen zum Wasserrückhalt und zur Wiedervernässung von Moorböden unabdingbar. Um diese Potenziale auszuschöpfen, brauchen die Verbände personelle Verstärkung im Haus. Dass in den ANK-Förderrichtlinien auch Personalaufwendungen mit enthalten sind, ist daher aus meiner Sicht essenziell.

Wie sehen Sie die Rolle der Wasser- und Bodenverbände beim Verhältnis von Wasserrückhalt und Sicherung des Abflusses - zum Beispiel auch beim Umgang mit Biberdämmen?

Grundsätzlich sollen nach der Definition der Pflichtaufgaben gemäß unserer Satzung die Unterhaltung der Gewässer (Abfluss) und die Ausgleichsmaßnahmen bei nachteiliger Veränderung der Wasserführung (Rückhalt) gleichberechtigt nebeneinander umgesetzt werden. Dazu wird der Unterhaltungsplan durch uns aufgestellt und mit den Trägern öffentlicher Belange abgestimmt und festgesetzt. Durch die geänderten Bedingungen der letzten Jahre hat sich dabei die Bedeutung des Rückhalts wesentlich erhöht. Da viele Jahre diese Prämisse aber aus dem Blick geraten ist, müssen nun Schritt für Schritt die notwendigen Anlagen neu gebaut, ertüchtigt oder ersetzt werden. Das ist Teil unserer Pflichtaufgaben. Wir gehen dies laufend mit Flächenpool-Konzepten an, d.h. mit Mitteln des Landkreises Barnim aus Ausgleichszahlungen für Eingriffe in die natürliche Umwelt, sowie mit Förderungen wie durch die Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg und das ANK. Die Akzeptanz hierfür ist bei Landeigner*innen, Land- und Forstwirt*innen sowie Anliegern stetig gewachsen und führt zu neuen Allianzen. 

Durch die stetige Ausbreitung des Bibers kommt es ergänzend zu verschiedenen Effekten. Zum einen wird durch den Biber zum Nulltarif an Stellen der Wasserrückhalt realisiert, wie wir es nicht besser hätten machen können. Zum anderen führen die baulichen Aktivitäten dieser geschützten Art aber zu Konflikten. Schäden an Gebäuden und Nebenanlagen, Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen, eingestaute Durchlässe und Regeneinleitungen zwingen uns zu entsprechend zeitraubenden und kaum planbaren Einsätzen. Wir bauen Bibertäuscher, setzen Weidezäune vor Durchlässe und Verrohrungen und stauen Dämme ganz oder teilweise ab, gern auch an schlecht zugänglichen Gewässerabschnitten. Das wird immer mit der Naturschutzbehörde abgestimmt, was zum Glück aktuell sehr gut funktioniert.

An welchen Stellen arbeiten Sie bereits mit dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) zusammen und was wünschen Sie sich für die zukünftige Entwicklung des ANK?

Wir beantragen aktuell gemeinsam mit der Stadt Bernau eine Unterstützung im ANK-Förderprogramm „Auenrenaturierung an Fließgewässern“ für ein Projekt entlang der Panke im Stadtgebiet Bernau. Wir haben viele potenzielle Bereiche anhand des Gewässerentwicklungskonzeptes der regionalen Arbeitsgruppe betrachtet und im Antrag ausgewiesen.

Ich kann aus meiner Erfahrung immer nur dafür plädieren, die konzeptionelle Bewertung und Priorisierung in der ersten Stufe des Antragsverfahrens intensiv zu betreiben, mit welchem Ergebnis auch immer. In der zweiten Phase sollte dann der Zuteilungsprozess zügig durchgeführt werden. Wir haben hier keine fertigen Entwurfsplanungen, Gutachten und landschaftspflegerischen Begleitpläne mit Genehmigungsstempel und Ewigkeitsgeltung vorliegen und müssen daher bei Bewilligung zügig in die planerische Vorbereitung gehen. 

Weiterhin sehe ich uns als Verband bei Öffentlichkeitsarbeit, Medienpräsenz und Diskurs in sozialen Medien nicht in der ersten Reihe. Wir müssen die organisatorische und technische Arbeit machen und sind nicht die allerbesten Mediatoren. Daher wünsche ich mir in diesen Belangen möglichst viel Unterstützung und Mitwirkung durch das ANK. 

Ich denke, mit diesen Aussagen meinen Brandenburger WBV-Kolleg*innen im Wesentlichen aus der Seele gesprochen zu haben, auch wenn sicher jede*r von uns andere Erfahrungen, Ideen und Vorstellungen hat. Uns alle eint der Wunsch, für unsere Mitbürger*innen eine lebenswerte Umwelt zu erhalten und unsere Gewässer bestmöglich zu pflegen und zu entwickeln.

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